Das Innere Team (I)

Jetzt stellt Euch vor, ihr habt eine Freundin. Nennen wir sie Marie. Marie wirkt stets harmoniebedürftig, ist sehr hilfsbereit und betont stets das Gute im Menschen und Momenten. „Ach du, das meint er sicher nicht böse.“ Selbst in Konflikten schafft sie es immer wieder ruhig zu bleiben, sich zu entschuldigen und ihre Fehler einzuräumen. Mensch, Marie ist so angenehmen und eine so tolle Freundin! Wie gesagt, nur ein Beispiel.

Seit Marie ihren Freund hat, scheint sie sich jedoch zu verändern. Plötzlich gibt sie Euch kontra, kritisiert eurer Verhalten oder sagt hin und wieder, was sie nicht okay findet. Hin und wieder kommt die harmoniebedürftige Marie durch. Was passiert da?

Das Innere Team als alternative Sichtweise auf Identität und Kommunikation

Nach Schulz von Thun (2013) haben wir ein Team in uns. Dieses sogenannte Innere Team besteht aus lauter vielfältiger Persönlichkeiten, um es einfach mal zu verbildlichen. Jeder Mensch hat eine immer wiederkehrende Mannschaftsaufstellung, aber auch Teammitglieder, die eher auf der Ersatzbank sitzen und hin und wieder auf’s Spielfeld geschickt werden. Dazu gibt es noch die Persönlichkeiten, die wir in die Verbannung geschickt haben und gerade zu darauf warten, mitzuwirken.

Bei mir beispielsweise würde ich sagen, sind es 5 Charaktere, die sich im vereinfachten Sinne immer wieder abwechseln :

  1. Die Harmoniebedürftige
  2. Die Freiheitsliebende
  3. Die Organisatorin
  4. Die Moralistin
  5. Die Temperamentvolle

Die Ersatzbank und die Verbannung lasse ich mal aus.

Konflikte mit dem Inneren Team

Beispiel aus meinem Alltag: Während eines Konfliktes meldet sich die Harmoniebedürftige: „Das kann ich total verstehen. Das war nicht so gemeint.“ Die Moralistin: „Also ich fand es schon nicht okay, was sie da gemacht hat. Das macht man als Freund doch nicht.“ Die Temperamentvolle: „Ich platz gleich, wie kann die so ruhig bleiben?“ Die Organisatorin: „Ich muss mich noch um die Unisachen kümmern, vergessen wir es einfach. Prioritäten!“ Freiheitsliebende: „Ich fühle mich total bevormundet, ich kann doch machen, was ich will!“

Achten wir achtsam auf diese Konflikte und Diskussionen in uns, merken wir überhaupt, was für ein Chaos da in uns herrscht. Manchmal, da platzt es nur so förmlich aus uns heraus und bereuen es im Nachhinein: „Ach, gar kein Ding. Alles gut!“… „Boar, wieso habe ich wieder nachgegeben? Das ging echt zu weit!“ Gelegentlich wissen wir gar nicht, was wir sagen sollen, weil wir merken, dass ins uns ein Gezoffe herrscht. Da schnell eine Antwort raus zu filtern, die alle Teammitglieder zufriedenstellt, ist manchmal gar nicht so einfach.

Beziehungen und das Innere Team

So einfach, wie in dem Beispiel bleibt es leider auch nicht, denn je nachdem in welcher Situationen wir uns befinden oder mit wem wir sprechen, wechselt die Mannschaftsaufstellung ihre Teammitglieder. So wie in Maries Fall.

Max, Maries Freund, ist sehr diskussionsfreudig und hin und wieder auch mal anhänglich. Anfangs wusste Marie nicht, wie sie damit umgehen soll. Jedoch wie aus Zauberhand veränderte sich da etwas – ihre Teamaufstellung.

Die Grenzwächterin, welche lange Zeit in der Verbannung lebte kommt nun hervor und kümmert sich um Maries Nähe-Distanz-Bedürfnisse. Aus Sicht der Grenzwächterin fordert ihr Max zu viel, so dass sie sich dafür entscheidet, längerfristig die Stellung zu nehmen. Da Max gerne diskutiert und – welch Wunder – die Diskussionsfreudige in Maries Innerem auch, kommt sie aus der Verbannung hervor und fordert ihre Existenz ein. „Ne, ich finde das nicht gut von dir, weil X, Y und Z.“

Diese Theorie ist ein Aufruf dazu, achtsam in uns reinzuhorchen und das Team in uns zu stärken durch Akzeptanz und Wertschätzung aller Teammitglieder. Durch innere Teamkonferenzen und das Erlangen einer Metaposition in Teamkonflikten, schaffen wir es, Differenzen und versteckte Bedürfnisse in uns zu erkennen und für unsere Beziehungen zu nutzen.

Hilfreich ist es nach Schulz von Thun beispielsweise, wenn man bei der Erspürung innerer Differenzen inne zu halten und unserem Gesprächpartner mitzuteilen, dass wir Zeit brauchen, um eine Entscheidung treffen zu können und uns später melden: „Kann ich später diesbezüglich auf dich zukommen? Da kann ich dir direkt eine Rückmeldung geben.“ „Du, ich merke gerade, dass ich noch was anderes wichtiges im Kopf habe, was mich gerade beschäftigt. Ich gebe dir am besten morgen nochmal Rückmeldung, ist das ok?“

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